So fühlt es sich an, wenn man all seinen Besitz los wird – Sogar seinen Locher!

So fühlt es sich an, wenn man all seinen Besitz los wird – Sogar seinen Locher!

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Haus weg. Auto weg. Fernseher weg. Möbel weg. Sogar mein Locher – weg! Alles weg! Mein Sohn, meine Frau und ich selbst, wir sind noch da. Für die einen klingt es nach Horror, für die anderen ist es nicht vorstellbar und für die ganz anderen ist es eine befreiende Vorstellung. Schwaben hingegen würden wahrscheinlich nur denken:„Subba, so kamma gud spaare! Hoffendlich hesch des au für gud geld verkaufe könne!“.

Als Person, der genau das gerade widerfährt, packe ich einfach mal aus, wie sich solch eine Situation anfühlt. Zuerst muss ich allerdings erwähnen, dass dieses Geschehen eine eigene Entscheidung war/ist, nichts mit finanzielle Probleme zu tun hat und somit auch mit keinerlei Probleme verbunden ist. Wäre das der Fall, würden die Situation und Gefühle natürlich ganz anders ausfallen.

Vorgeschichte

Wem es noch nicht aufgefallen ist >> Ich habe mich mit meiner Frau für eine Weltreise entschieden. Wir haben bisher sehr verschwenderisch und in einem teuren Haus gelebt. Irgendwie kam die „Erleuchtung“, dass uns das aktuell alles eigentlich nichts bringt und die Welt nach uns ruft. Von Heute auf Morgen haben wir uns dazu entschieden all unseren Besitz zu verkaufen und zu reisen. Diese Entscheidung haben wir vor 2 Wochen getroffen, sind bereits eine Woche später aus unserem Haus ausgezogen, haben 60% verkauft, 30% weggeschmissen und haben uns übergangsweise bei Oma und Opa eingenistet. Die restlichen 10% sind Dinge, die wir noch nicht verkaufen konnten, hoffen aber, dass dies bald passiert.

Wir fühlt sich diese Situation an?

Es ist komisch. Es ist befreiend. Es regt zum Nachdenken an. Es ruft Ängste herbei. Es lässt zweifeln und es ist manchmal etwas schwierig.

Komisch weil

Man betrachtet all sein Zeug, das man sich so zugelegt hat und fühlt sich irgendwie dumm dabei zu wissen, dass man sich dieses Zeug erst überhaupt anschaffte. Zudem hat man sich für etwas entschieden, das wirklich nur ein Bruchteil der gesamten Menschheit tun würde. Für die meisten aus unserem Umfeld sind wir nun dumm, für manche sind wir sogar verflucht. Am Ende sind wir aber eigentlich einfach nur anders.

Befreiend weil

Es klingt komisch, aber irgendwie ist es ein befreiendes Gefühl, Dinge wegzuschmeißen oder zu verkaufen, die man eigentlich eh nicht braucht. Es fühlt sich so an, als hätte man schon immer eine gewisse Verantwortung dem Gegenstand gegenüber besessen, welche man dann einfach abgibt, bzw. los wird.

Zudem ist die Abnahme an Besitz, gleichzeitig ein nähernder Schritt zur Unabhängigkeit. Denn wenn ich nichts oder sehr wenig besitze, brauche ich mich auch nicht an einen Ort binden. Oder mich ständig um gewisse Dinge kümmern.

Nachdenken weil

Ich frage mich oft, wieso ich mich eigentlich mit meiner Frau dazu entschieden habe, bzw. wie es eigentlich dazu kam. Ich frage mich, wofür ich mich entschieden hätte, wenn mein Leben vorher ganz anders abgelaufen wäre. Welche Entscheidungen und Handlungen in meinem Leben für meine aktuellen Entscheidungen und Handlungen verantwortlich sind.

Auch denke ich oft darüber nach, wohin wir reisen werden, ob wir überhaupt die gesamte Welt bereisen werden. Möchten wir wieder nach Deutschland? Möchte ich, dass mein Sohn auf eine staatliche Schule geht? Welche Sprachen würde ich eigentlich gerne lernen?

Ängste weil

Wir leben in einem Luxus-Land. Wir leben in Deutschland. Hier gibt es ein top Gesundheitssystem, sauberes Wasser, wenig giftige Tiere/Insekten/Spinnen, wir können die Sprache, ein top Sicherheits- und Rechtssystem und viele Unterstützende Sozialmaßnahmen.

In sehr vielen Ländern sieht das ganz anders aus. Es gibt Länder, in denen meine Frau sich nicht frei bewegen dürfte. Es gibt Länder, in denen man Angst vor Wassertrinken haben muss. Es gibt Länder, in denen man Krankheiten bekommt, von denen wir in Deutschland noch nicht einmal gehört haben. Mit einem 1,5 Jahre jungen Kind macht man sich natürlich extrem viele Sorgen.

Zweifeln weil

Natürlich treten viele Zweifel aufgrund der Ängste auf. Allerdings aber auch wegen der Meinungen Anderer. Es ist ziemlich schwer einen Traum oder eine Entscheidung durchzusetzen, wenn fast alle anderen im eigenen Umfeld dagegen sind und versuchen es einem auszureden. Einige kommen sogar zu uns nach Hause und reißen nutzlose Gegenstände aus unseren Händen, die wir gerade eigentlich wegschmeißen wollten. In unseren Augen nichts anderes als Müll.

Schwierig weil

Gegenstände und Orte sind mit Erinnerungen verbunden. Das kann man nicht ändern. Und genau das ist das Schwierigste an der ganzen Aktion. Ich stand neulich wieder im leeren Kinderzimmer meines Sohnes und musste dabei schon ein wenig emotional zurücktreten und mir bewusst machen, dass es einfach nur Gegenstände waren. Plastik. Außerdem haben wir Kleidung und Spielzeug an andere Kinder verschenkt. Es wird also noch zweckmäßig sinnvoll verwendet und macht andere Kinder glücklich.

Mein Sohn ist deswegen nicht unglücklich. Er versteht es wahrscheinlich noch gar nicht so wirklich, oder ihm ist es vielleicht sogar auch einfach nur egal. Irgendwie wirkt er viel glücklicher und lebhafter durch die ganzen neuen Orte die er aktuell kennenlernt. Schon allein im haus von Oma und Opa zu sein, scheint für ihn sehr interessant und aufregend.

 

So fühlt sich meine Frau

Nastja, meine Frau, nimmt das ganze deutlich mehr mit. Vor allem emotional. Es fällt ihr sehr schwer, sich nicht von den anderen beeinflussen zu lassen. Für 2 Tage wollte sie die ganze Aktion sogar abbrechen. Sie ist sehr ängstlich und macht sich extreme Sorgen um unsere Gesundheit und Sicherheit.

Ihre extreme Sorge, Angst und Unsicherheit ist vielleicht gar nicht so schlecht, denn das könnte meine extreme Leichtsinnigkeit und Spontanität ein wenig gesund ausgleichen. Und genau das passiert aktuell jeden Tag.

By | 2018-07-25T20:46:52+00:00 Juli 25th, 2018|Weltreise|0 Comments

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